21.05.2012 00:12:50 +0200
Alternative Finanzierungsformen für den Mittelstand

 

Höhere Anforderungen der Banken haben die Finanzierungsmöglichkeiten für mittelständische Unternehmen in den vergangenen fünf Jahren stark verändert. Parallel sind in dieser Zeit jedoch auch neue Finanzierungsangebote entstanden. Auch der Mittelstand kann steuerlichen Vorteile aus der Situation ziehen.

Kapitalkosten minimieren und zugleich jederzeitige Zahlungsfähigkeit gewährleisten - das sind die zentralen Anforderungen an die Unternehmensfinanzierung. Die im deutschen Mittelstand traditionell starke Finanzierung durch Bankkredite ist daher im Lichte neuer alternativer Finanzierungsformen zu überdenken.

Entstanden sind die neuen Finanzierungsofferten durch die wachsende Vernetzung der weltweiten Finanzmärkte. Welches Instrument für ein Unternehmen interessant ist hängt dabei von der Höhe des Finanzierungsbedarfs und der Phase innerhalb seiner Entwicklung ab.

 

Emission von Schuld- oder Genussscheinen

Ab etwa fünf Millionen Euro jährlichem Finanzierungsbedarf kommt die Platzierung eigener Schuld- oder Genussscheine am Kapitalmarkt in Frage. "Vorteil ist, dass ein Unternehmen hierdurch seine Kapitalbasis erweitert und einer eventuellen Risikoballung bei seiner Hausbank entgegenwirkt. Zugang zu dieser Finanzierungsalternative haben Unternehmen mit einwandfreier Bonität, wobei das Rating durch eine Agentur hilfreich, aber nicht zwingend ist. Eine besondere Variante sind die "US Private Placements" aus dem amerikanischen Kapitalmarkt, die bereits vom deutschen Nahrungsmittelhersteller Müller Milch oder dem Automobilzulieferer Fritz Draexlmaier genutzt wurden.

Beteiligungskapital

Trotz eines zuletzt regelrechten Angebots-Booms in Deutschland ist die Aufnahme von Beteiligungskapital, auch Private Equity genannt, im deutschen Mittelstand nicht immer erste Wahl. Die hohen Ansprüche an Mitbestimmungsrechte, Transparenz und Berichterstattung müssen im Vorfeld gut abgewogen werden. Ist die Unternehmensführung hier jedoch aufgeschlossen, kommt auch die Ausgabe von Aktienkapital und der Gang an die Börse in Frage. Insbesondere wenn das Unternehmen durch eine sogenannte Equity Story die Kapitalgeber von starken Wachstumsaussichten im betreffenden Markt überzeugen kann.

Mezzanine-Finanzierungen

Besonders steuerlich interessant sind Mezzanine-Finanzierungen, also eine Mischung aus Eigen- und Fremdkapital. Typische Formen sind Nachrangdarlehen, Gesellschafterdarlehen, Stille Beteiligungen, Genussscheine und Wandel- sowie Optionsanleihen. Wesentliche Charakteristik ist, dass die Verzinsungs- und Rückzahlungsbedingungen für vom Unternehmen aufgenommenes Kapital aus fixen und variablen Elementen besteht. Die vertragliche Struktur kann dabei so gewählt werden, dass etwa auch die regelmäßigen Ausschüttungen an die Kapitalgeber steuerlich als betrieblicher Aufwand abzugsfähig sind - obgleich in der Bilanz das Kapital nicht als Fremd- sondern Eigenkapital ausgewiesen wird. Da die Finanzämter eine solche Kombination des "besten aus zwei Welten" sehr genau beobachten, ist hier hohes Know-how gefragt. (siehe auch Beitrag Innovatives Eigenkapital).

 

Asset-Backed-Finanzierungen

Auf der Aktivseite hat in den letzten Jahren die direkte Finanzierung von Vermögensaktiva, wie etwa größeren Investitionsgütern, auch im deutschen Mittelstand an Bedeutung gewonnen. Bei einer Asset-Backed (ABS-) Finanzierung verkauft das Unternehmen regelmäßig Forderungen aus Lieferungen und Leistungen an eine speziell gegründete Finanzierungsgesellschaft.

Diese wiederum emittiert Wertpapiere am Kapitalmarkt, um sich die notwendigen Finanzierungsmittel für den Ankauf der Forderungen zu beschaffen. Sofern das passende Ankaufsprogramm ausgewählt wird, finanziert sich ein Unternehmen mittels ABS deutlich günstiger als über einen traditionellen Bankkredit, und diese Kostenvorteile kompensieren erfahrungsgemäß sehr schnell die anfangs höheren Transaktionskosten. Weiterer Vorteil: Bilanzkennzahlen wie Eigenkapitalquote, Liquiditätsgrad und Gesamtkapitalrentabilität können optimiert werden. Möglich ist all dies jedoch erst ab einem regelmäßigen Forderungsbestand von mindestens fünf bis zehn Millionen Euro.

Factoring und Leasing

Der Verkauf von Forderungen an eine Factoringgesellschaft als Alternative zu teuren Vorfinanzierung über kurzfristige Bankkredite erfordert deutlich geringere Forderungsbestände als bei ABS-Finanzierungen. In der Praxis geschieht dies überwiegend in der sogenannten stillen Form. Hierbei bleiben also die Unternehmen für den Forderungseinzug beim Kunden verantwortlich.

Der Finanzierungsgedanke steht demnach im Vordergrund. Im Bereich des Anlagevermögens können schließlich auch Leasingfinanzierungen wie "Sale and Lease Back"-Konstruktionen sinnvolle Alternativen zum Bankkredit sein. Geringere Kapitalbindungen, mögliche Bilanzstruktureffekte sowie das Heben stiller Reserven sind aus Sicht der Unternehmen die interessantesten Merkmale.

Fazit und Ausblick

Durch das Angebot neuer Finanzierungsformen gleichen sich die Bedingungen für die traditionelle Kreditvergabe an erhöhten Kapitalmarktforderungen fortlaufend an. Jedes mittelständische Unternehmen ist daher gefordert, sich strategisch auf das veränderte Umfeld einzustellen. Dann ist es möglich, durch innovative Finanzierungsalternativen zum Bankkredit die Unternehmensfinanzierung langfristig zu sichern und die Kapitalkosten nachhaltig zu senken.